Von Ofensuppe bis Arp-Schnitger-Orgel

Nachricht 07. Juli 2026

37 Gemeinden zeigen ihre Schätze bei "Kirche auf dem Rad"

Abhängen im Altarraum. Carsten Grotheer liegt in der bunt gestreiften Hängematte in der Bramstedter St. Jakobi-Kirche und lauscht dem Ensemble „Schöne Töne“ aus Axstedt, das vor seinem kleinen Wunschkonzert gerade noch einmal die Instrumente stimmt. Vor der Tür stehen jede Menge E-Bikes – gerade ist nämlich eine Fahrradgruppe aus Beverstedt eingetrudelt. Die stärkt sich im Gemeindehaus. „Bei ,Kirche auf dem Rad‘ wird man toll beköstigt, es entstehen nette Gespräche, man sieht schöne Kirchen und fühlt sich immer willkommen. Deshalb machen wir jedes Jahr mit“, sagt der Leiter der Beverstedter Truppe, Niko Bullwinkel. Damit hat er das Erfolgsrezept der Aktion des Kirchenkreises Wesermünde treffend zusammengefasst.

2004 wurde „Kirche auf dem Rad“ im damaligen Kirchenkreis Wesermünde-Süd aus der Taufe gehoben. Seit 2013, dem Jahr des Zusammenschlusses, ist auch Wesermünde-Nord mit dabei. Ganz groß geschrieben wird die Aktion im kleinen Wersabe – eine in der Marienkirche integrierte Küche erleichtert das herausragende Catering. „Wir planen immer so, dass wir zu Mittag in Wersabe sind: Irmis Ofensuppe ist die beste“, schwärmt Pastorin Ute von Stuckrad-Barre. Die hat sie schon genossen – jetzt schaut sie in Uthlede vorbei. Zum Beginn der Aktion um 10 Uhr hat die Pastorin in Hagen den Reisesegen gesprochen. Zuvor waren in der Martin-Luther-Kirche Dutzende kleine Jesus-Figuren versteckt worden: Wer fündig wurde, durfte sie mitnehmen und gerne an einer Foto-Aktion teilnehmen: den Jesus dort hinstellen, wo er sein sollte – und dann ein Bild machen und an die Gemeinde schicken.

Solche kreativen Aktionen in den 37 teilnehmenden Kirchen bereicherten den Tag, der mit fünf Gottesdiensten gegen 17 Uhr zu Ende ging. In Beverstedt konnten sich Besucher eine mit einer guten Bastelidee, einem Kochrezept oder einem Segenswort gefüllte Kugel nehmen und sie dann selber mit einem Wunsch oder einer Erkenntnis füllen. In Uthlede wurde man eingeladen, sich Gedanken über die Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu!“ zu machen, während die Besucher in Dedesdorf der Arp-Schnitger-Orgel lauschen konnten.

Hier direkt hinterm Weserdeich warten die Kirchenvorsteherinnen Anja Grätsch und Nicole Rauprich mit einem liebevoll dekorierten Büffet auf die Pilger. „Wir hatten heute einen Besucherrekord“, so Anja Grätsch. Dedesdorf gehört nicht zum Kirchenkreis Wesermünde – noch nicht einmal zur Landeskirche Hannovers: Die Gemeinde ist oldenburgisch. „Deshalb sind unsere Bänder auch immer rot-blau, das sind die Oldenburger Farben“, verrät Nicole Rauprich lachend.

Ohne die bunten Bänder kein „Kirche auf dem Rad“: In jeder Kirche erhalten die Besucher neben dem Stempel im Pilgerpass auch ein Band, das an den Lenker geknotet wird. „Das ist ein verbindendes Symbol: So erkennen sich die ,Kirche auf dem Rad‘-Pilger untereinander. Das sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl, unabhängig davon, woher man kommt, welche Kirchen man besucht und wie viele man schafft“, sagt Wesermündes Superintendent Albrecht Preisler. Er freut sich, dass neben Dedesdorf auch noch weitere „Nicht-Wesermünder“ teilnehmen, wie zwei Kirchen aus Bremerhaven, die katholischen Gemeinden aus Loxstedt und Bederkesa und die reformierte Kirche in Holßel.

Was auf alle teilnehmenden Kirchen zutrifft: Es sind engagierte Ehrenamtliche, die ihre Gemeinden präsentieren, die die Gäste empfangen, über ihre Kirchgebäude informieren, Kaffee nachschenken und am Grill stehen.

„Früher sind wir selber losgefahren“, sagen Marita und Carsten Grotheer. Seit einigen Jahren gestalten sie aber den Tag in der Bramstedter Kirche. Als Prädikant hat Carsten Grotheer um 10 Uhr den Reisesegen gesprochen, jetzt gibt er heiße Bockwürstchen aus. „Manche Leute sieht man nur bei ,Kirche auf dem Rad‘“, sagt seine Frau. „Dann freut man sich und tauscht sich aus.“ Die nette Atmosphäre, das sei eigentlich das schönste. Herzenswärme – die vertreiben weder einige kräftige Schauer noch ordentlich Wind aus Nordwest.