Jakobus3

Innehalten

Erinnerung an Jesu Geburt und seinen Tod

Alle Hirten hatten ein kleines Mitbringsel in ihren Händen. So weiß es eine alte Legende. Der eine hatte ein Stück Fell, ein anderer etwas Milch. Nur einer der Hirten kam mit leeren Händen an die Krippe. Er hatte nicht einmal eine Blume, die er hätte überreichen können. Weil er nichts hatte, was er hätte schenken können, kamen ihm die Tränen. An der Stelle, wo dieser Hirte stand, erzählt man sich, sind nach einiger Zeit Pflanzen gewachsen, die leuchtend weiß blühten: Christrosen.

Die Christrosen symbolisieren Hoffnung, blühen sie doch in der Winterzeit, eben in der Zeit, in der seit alters her die Geburt Jesu verortet wird. Der Sohn Gottes erblickt in einem Stall das Licht der Welt. Er wird zum Hoffnungsträger der Menschen. Diese Hoffnung endet nicht mit seinem Tod. Im Gegenteil: Mit seinem Tod bekommt die Hoffnung einen neuen Impuls. Jesus ist gestorben und danach aus dem Tod auferstanden. Exemplarisch für alle anderen Christen und Christinnen. Der Tod als Übergang von einem Leben in ein anderes, neues, ewiges.

Für viele, die an den Gräbern Abschied genommen haben, ein tragender Halt. Etwas, das ihnen Kraft gibt, um weiter zu leben. Getröstet durch die Hoffnung, dass der Abschied hier keiner für immer ist. An dieser Stelle ist der Glaube wohltuend und für viele hilfreich.

Am Ewigkeitssonntag werden in vielen unserer Kirchen die Namen der im vergangenen Kirchenjahr verstorbenen Gemeindeglieder verlesen. Dazu wird auch oft für jeden Namen eine Kerze angezündet. Jesus sagte: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und ebenso sagte er: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Und so steht jede Kerze mit ihrem Licht für ein Leben, das eine Fortsetzung finden kann bei Gott. Stille Hoffnung.

Ebenso steht das Grün der Tannenzweige der vielen Gestecke, die in den vergangenen Tagen oder heute auf den Gräbern niedergelegt wurden, für die Hoffnung.

Wir gehen zu den Gräbern, weil wir uns an geliebte Menschen erinnern, gerne erinnern. Und wir bringen etwas mit, etwas was grünt und dem Grau entgegensteht. Und immer öfter sind auch Christrosen auf den Gräbern zu entdecken. Dank der Gärtnereien blühen sie nicht erst zum Christfest, sondern auch schon in diesen Tagen. Und was passt mehr als Hoffnungszeichen? Christrosen wachsen da, wo wir geweint haben und vielleicht auch immer noch weinen, weil der Abschied weh tut. Christrosen erinnern an Jesu Geburt und heute auch an seinen Tod. Zugleich sind sie auch ein Geschenk an die, denen wir viel zu verdanken haben: Begleitung und Lebenserinnerungen und vieles, vieles mehr.

Thomas Casper,
Pastor in Stotel und Büttel

Pastor Thomas Casper
Pastor Thomas Casper
Fleester Straße 15
27612 Loxstedt-Stotel
Tel.: 04744 730853