Verlassen zu werden, ist immer ein Einschnitt. Da ist eine geschäftliche Verbindung, die der Markt plötzlich infrage stellt. Da ist ein alter Schulfreund, der sich im Laufe der Jahre anders entwickelt hat.
5000 amerikanische Soldaten sollen nun Deutschland verlassen. Ist das eine Notwendigkeit oder schlichtweg taktische Symbolpolitik? Vielleicht gar nicht so wichtig. Wenn es nur das wäre. Doch sehe ich die jüngste Vergangenheit, muss ich befürchten: In unseren Tagen verabschiedet sich ein Verbündeter Schritt für Schritt von einer Weltordnung, die er nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mit geschaffen hat.
Dabei ging es den Völkern damals um etwas Grundsätzlicheres - jenseits von einem Lagerdenken. Nämlich um die Sicherung des Weltfriedens, um die Verhinderung weiterer, gefährlicher Konflikte, um die Grundfreiheiten eines jeden Menschen. Jeder möge sich unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht, seiner Sprache oder seiner Religion frei entfalten können. Jeder und jede möge frei heraus das sagen können, was er oder sie denkt. Wenn Soldaten ihren Standort wechseln, ist es das eine. Wenn solche Veränderungen aber den Eindruck erwecken, dass eine freie Gesellschaftsordnung nicht mehr richtig abgesichert wird, dann ist dies das falsche Signal an die Gegner der Demokratie.
Anscheinend müssen wir an die Ideale von Respekt und Toleranz wieder erinnern. Es ist ein hohes Gut, das wir da in unseren Händen halten. Wir sind eine entscheidende Wertegemeinschaft, die wir gegenseitige Akzeptanz praktizieren und Willkür verhindern wollen. Von daher müssen wir auch zusammenbleiben.
Verlassen zu werden, ist immer ein Einschnitt. Aber selbst wenn sich alles um mich herum verändert, ist in mir etwas, was mir niemand nehmen kann. Die Überzeugungen, die mich ausmachen. Und dazu gehört für mich eine ganz bestimmte Hoffnung. Wir, die wir an einer liberalen Demokratie festhalten wollen, sind in der Mehrheit. Wir sollten wieder stärker zueinander finden.
Ihr Clemens Bloedhorn,
Pastor in Sandstedt, Wersabe und Uthlede-Wulsbüttel