Innehalten

Den Staub von der Seele fegen

Haben Sie dieses Jahr schon mit dem Frühjahrsputz begonnen? Der März  soll ja der perfekte Zeitpunkt dafür sein. Tipps wie man den Frühjahrsputz gut organisieren kann, gibt es im Internet reichlich. Und Listen. Ganz lange Listen. Man solle Raum für Raum angehen – schlägt ein Discounter vor und fügt eine Liste mit Putzmitteln an, die man dort erwerben kann. Diverse Influencer machen gar eine Challenge daraus und erklären gerne, wie man die Schränke perfekt aufräumt, und verkaufen die passenden Körbe dazu.

Ich habe jetzt schon keine Lust mehr. Und warum muss ich das  ausgerechnet im Frühjahr und alles auf einmal machen? Wikipedia erklärt mir die historischen Hintergründe und erläutert mir, dass in den  verschiedensten Kulturen und Religionen im Frühling das Haus geputzt und „durchgeschüttelt“ wurde. Diese Reinigung stand für Befreiung und Neuanfang. Auch im Christentum kennt man das rituelle Reinigen vor dem Osterfest.

Es geht also weniger um die Hygiene, sondern mehr ums Loslassen. Sich von alten belastenden Dingen trennen, um sich auf Neues einlassen zu können. Das leuchtet mir ein und erleichtert lege ich den Putzlappen zur Seite.

Den Staub von der Seele fegen – das finde ich gut. Und genau das machen wir jetzt in den 7 Wochen von Aschermittwoch bis zum Osterfest in unserer Fastengruppe der Kirchengemeinde. Wir fegen alte Gewohnheiten weg, und
treffen uns. Gemeinschaft statt allein vor dem Fernseher. Das macht  Spaß und hat etwas von Neuanfang. 

Mit-Gefühl ist das Thema der evangelischen Fastenaktion in diesem Jahr. Und so nehmen wir uns Zeit, uns gegenseitig zuzuhören. Fühlen mit bei den Sorgen, Wünschen und Träumen der anderen. Und spüren, wie der Staub von der Seele fällt, Woche für Woche. Weil ich mir Zeit nehme für mich und meinen Glauben. So macht Frühjahrsputz Spaß.

Ute von Stuckrad-Barre, Pastorin der Kirchengemeinde
Hagen im Bremischen

 

Pastorin Ute von Stuckrad-Barre
Amtsdamm 59
27628 Hagen
Tel.: 04746 1370