Zusammen mit vielen anderen Konfis eine Woche der Osterferien auf Plattbodenschiffen verbringen, gemeinsam segeln, putzen, singen und kochen: Die „Flotte“ ist seit 2005 ein wichtiger Bestandteil der Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Wesermünde. „Keine Flotte ist wie die andere“, weiß Kreisjugenddiakon Michael Hinrichs. Während der 18. Ausgabe hatte die Crew besondere Herausforderungen zu meistern.
In Lelystad haben die knapp 270 Konfirmandinnen und Konfirmanden, die mit Bussen aus dem Cuxland angereist sind, ihre elf Schiffe bezogen. Mit ihnen an Bord: Teamerinnen und Teamer sowie Skipper und Maat. Die „eine Flotte“ gibt es nicht: Jeder Teilnehmende erlebt „seine eigene Flotte“ – abhängig von Schiff, von der Funktion, von den anderen Menschen an Bord.
Was alle eint: die Abhängigkeit von der Natur. Während die Schiffe am zweiten Tag bei schwachem Wind nach Volendam segeln konnten und am nächsten Morgen mit Sonne und noch weniger Wind Hoorn ansteuerten, machte sich das dann folgende Tief „Marlies“ bei den Skippern keine Freunde: Der nächste Hafen Enkhuizen war erst einmal Endstation für die „Flotte 2026“. Mit Windstärken zwischen sechs und sieben war das Risiko, um mit Jugendlichen zu segeln, zu groß. Deshalb mussten die Schiffe für drei Tage in Enkhuizen festmachen.
Frühstück, Morgenandacht, thematische Impulse unter anderem zu den Themen Freundschaft, Gemeinschaft und Abendmahl, ein Snack zur Mittagszeit, Freizeit am Nachmittag, Abendessen, gemeinsames Programm und der Tagesabschluss: Diese tägliche Struktur blieb auch an Land dieselbe. Der „Abend der Begegnung“ – Open Ship auf allen Seglern, leckere Essensangebote und besondere Aktionen – sowie der gemeinsame Gottesdienst in der Westerkerk und eine besondere Olympiade mit Disziplinen wie Flaggenalphabet und Bulliziehen sorgten für Abwechslung. Am allerletzten Tag konnte die „Flotte“ noch einmal die Segel setzen und nach Lelystad schippern, wo sechs Busse die Konfis wieder abholten.
„So einen Verlauf hatten wir 2015 beinahe genauso“, sagt Hinrichs, der bislang an allen „Flotten“ teilgenommen hat. Planbar sei eben nichts so richtig, wenn man vom Wetter abhängig sei. Aber aus den Gegebenheiten das Bestmögliche zu machen, sei das, was zähle. „Unsere gute und vertrauensvolle Beziehung zu den Skippern hilft uns da.“ So haben sich diese auch kreativ und tatkräftig bei der Ausrichtung der Olympiade am vorletzten Tag eingebracht.
Glücklicherweise musste das bewährte vierköpfige medizinische Team vom DRK Wesermünde keine allzu großen Probleme lösen. Beulen, Übelkeit und Heimweh konnten mit Medikamenten und Mitgefühl meistens schnell geheilt werden. Dass alle immer ausreichend und lecker zu essen hatten, war die Aufgabe des Einkaufsteams: Jeden Tag waren drei Ehrenamtliche damit beschäftigt, die Wünsche der Schiffsteams zu erfüllen. Mit Klappkisten, Kühltaschen und vielen Einkaufswagen ausgestattet, sorgten sie für Aufsehen in den Supermärkten – und für lange, lange Kassenzettel. Was wurde am meisten bestellt? Salatgurken, Brot, Vla, Milch und Spekulatiuscreme, aber auch Zahnstocher, Udon-Nudeln und Kontaktlinsen.
Wenn die letzten Materialkisten ausgeräumt und verstaut sind, beginnen fast schon wieder die Planungen für die „Flotte 2027“. Mit anderen Konfis, weiteren Wetterkapriolen, viel Spaß, Stress, neuen Herausforderungen und Freundschaften. „Die Flotte ist eine Mammutaufgabe für die Evangelische Jugend Wesermünde, aber eine, die sich jedes Jahr wieder lohnt“, so Hinrichs.