Mehr als 11.000 Mal hat im vergangenen Jahr das Telefon bei Seelsorge- und Hilfsangeboten geklingelt – eine Zahl, die die wachsende Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote eindrucksvoll unterstreicht. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Fördervereins der TelefonSeelsorge Elbe-Weser e.V. wurde deutlich: Der Bedarf steigt – und mit ihm die Herausforderungen.
Nach den üblichen Formalien rückte insbesondere der Bericht von Leiter Daniel Tietjen in den Mittelpunkt. Die TelefonSeelsorge Elbe-Weser wird getragen von mehreren Kirchenkreisen der Region – darunter Bremerhaven, Wesermünde und Cuxhaven-Hadeln – die sich im Kirchenkreisverband im Sprengel Stade zusammengeschlossen haben.
Finanziell unterstützt wird die Arbeit neben den Kirchen auch durch öffentliche und private Zuschussgeber, darunter die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die Evangelisch-reformierte Kirche sowie der Landkreis Rotenburg und der Förderverein selbst.
Die Gründe, warum Menschen Hilfe suchen, sind vielfältig. Besonders häufig nennen Ratsuchende Einsamkeit, Partnerschaftsprobleme sowie Depressionen und Ängste. Kinder und Jugendliche wenden sich vor allem wegen Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung oder im sozialen Umfeld an die Seelsorge.
Auffällig ist dabei nicht nur die steigende Zahl der Kontakte, sondern auch deren Intensität: Die Gespräche werden länger und anspruchsvoller. Empfohlen wird eine Gesprächsdauer von etwa 30 bis 45 Minuten. Während ältere Hilfesuchende weiterhin das Telefon bevorzugen, greifen jüngere Menschen zunehmend auf Chatangebote zurück.
Im Zuge dieser Entwicklung wurde auch die Idee einer eigenen App diskutiert, um insbesondere die jüngere Generation besser zu erreichen. Für ein solches Projekt werden derzeit Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro veranschlagt.
Ein zentrales Fundament der Arbeit bilden die rund 90 Ehrenamtlichen, die den 24-Stunden-Dienst sicherstellen. Der jüngste unter ihnen ist 37 Jahre alt – Nachwuchsgewinnung bleibt daher ein wichtiges Thema.
Der Bericht des Vorsitzenden, Dr. Uwe Huljus aus Bederkesa, zeigte zudem die finanzielle Seite der Vereinsarbeit auf. Neben Mitgliedsbeiträgen sticht insbesondere das Projekt „Kino in der Amtsscheune“ hervor, das sich als verlässliche Einnahmequelle etabliert hat. An jedem ersten Freitag im Monat werden in der Amtsscheune in Bad Bederkesa nationale und internationale Filme in angenehmer Atmosphäre gezeigt – verbunden mit einem kleinen Imbiss und der Bitte um Spenden zugunsten der TelefonSeelsorge.
Rund 4.000 Euro kamen so im vergangenen Jahr zusammen – eine beachtliche Summe, die direkt der Arbeit zugutekommt. Die Mittel werden vor allem für die Ausbildung und Supervision der Ehrenamtlichen sowie für deren Begleitung im Dienst verwendet.
Auch personell gab es Veränderungen: Kassenwart Horst Adami wurde – krankheitsbedingt in Abwesenheit – nach einstimmigem Lob der Kassenprüfer entlastet. Seine Nachfolge tritt Marlies Heinemeyer an, die einstimmig gewählt wurde. Klaus Volkhardt wurde als zweiter Vorsitzender bestätigt, ebenso verlängerte Kassenprüfer Heiko Hillrichs seine Amtszeit.
Die Mitgliederversammlung machte deutlich, wie unverzichtbar die TelefonSeelsorge für die Gesellschaft ist. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen und überlasteter medizinischer Versorgungssysteme schließt sie eine wichtige Lücke. Ohne dieses Angebot, so der Tenor der Versammlung, müssten Kommunen vergleichbare Strukturen erst mühsam selbst aufbauen.
Ein Fazit bleibt: Die TelefonSeelsorge ist mehr denn je ein stiller, aber unverzichtbarer Rettungsanker für viele Menschen.
Text: Johannes Drechsler, Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln