Anlässlich der Befreiung des NS-Lagers Sandbostel bei Bremen vor 81 Jahren hat die Stader Regionalbischöfin Sabine Preuschoff darauf hingewiesen, dass Freiheit und Demokratie keineswegs selbstverständlich seien – sondern „Geschenk und Aufgabe“.
Die Stader Regionalbischöfin Sabine Preuschoff wünscht sich mehr Engagement für Freiheit und Demokratie. „Diese Demokratie wird angegriffen. Die Wehrhaftigkeit unserer freiheitlichen Verfassung wird von vielen Seiten herausgefordert“, sagte sie bei einer Predigt in der Gedenkstätte des früheren NS-Lagers Sandbostel bei Bremen laut Manuskript. Es sei nicht selbstverständlich, in Freiheit zu leben. „Es ist ein Geschenk – und eine Aufgabe.“
Auch Christinnen und Christen hätten in der NS-Zeit weggesehen, mitgemacht oder geschwiegen, sagte die Regionalbischöfin. Die evangelische Kirche habe als Institution große Schuld auf sich geladen. Der Nationalsozialismus sei so etwas wie eine „berauschende Religion des Todes“ gewesen – und zugleich eine „fürchterliche Lästerung Gottes“.
Deshalb komme es darauf an, die eigene Haltung klar zu benennen und für sie einzustehen. „Um Gottes Willen: gegen Hass, gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus“, unterstrich Preuschoff. Sie verwies auf eine in den kommenden Wochen startende Aktion der christlichen Kirchen in Niedersachsen zu den Kommunalwahlen am 13. September. „Wir werben für keine politische Partei. Wir werben aber für eine politische Haltung. Wir sagen: Steht ein für eine Welt, in der die Würde eines jeden Menschen geachtet wird. In der wir uns umeinander kümmern.“
Im niedersächsischen NS-Lager Sandbostel waren insgesamt mehr als 313.000 Kriegsgefangene aus über 55 Nationen interniert, darunter mehr als 70.000 Soldaten der Roten Armee. Tausende Gefangene starben an Hunger und Krankheiten. Noch kurz vor der Befreiung 1945 kamen rund 9.500 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme und seinen Außenlagern nach Sandbostel.
epd Niedersachsen-Bremen