Innehalten

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Ich danke dir! Hab Dank für alles! Und vor allem: Danke!

Was ist das neueste iPhone gegen ein Glas frisches Wasser? Wenn man Durst hat. Was ist ein 200 PS SUV gegen ein Stück Vollkorn-brot? Wenn man Hunger hat.
Danke für´s frische Wasser und für´s Brot. Hier in unserer Gegend. Aus der Leitung – nur den Hahn aufdrehen und schon fließt es.  Aus dem Schrank – nur das Brotmesser ansetzen und schon schmeckt es. Danke für unseren Reichtum! Wasser und Brot. Trinken und Essen. Wann immer wir wollen.

Und dann wählen Menschen von nebenan,  die, die uns jagen wollen. Uns Dankende für das leben dürfen in diesem Land. Sie wählen diese Partei von Opfern. Die, die nur wissen, was sie nicht haben. Und niemals hatten. Die auf den Ärmsten zeigen und brüllen: du kriegst unser Wasser nicht.

„Gott sei Dank“ ist für mich ein anderes Fest in diesem Jahr. Ein anderes geworden seit letzten Sonntag. Erntedank fühlt sich eher wie ein Bittfest an.
Die Bitte, dass der braune Septemberschleier über unserem Land sich wieder lichten möge. Die Bitte, dass Menschen Menschen bleiben in unserem Land und nicht Jäger und Gejagte werden. Die Bitte, dass die Gauländer mit ihren Kampfbrüllern vom Wasser und vom Brot des Lebens überwältigt werden. Die Bitte, dass nie wieder die völkische Rasse alle Mittel, die wir zum Leben brauchen vergiftet.
Vielleicht war es ja schon immer so: in dem Danken muss zugleich das Bitten zuhause sein. Und das Erntedankfest ist immer auch ein Bittfest. Danke für Wasser und Brot. Und: Bitte, lass es uns mit den Ärmsten teilen. Und mit unserem kranken Nachbarn auch.

Joachim Köhler,

Pastor in Neuenwalde