10. März 2019

Nachricht

Andachtspreise in Loccum vergeben

Sonderpreise für Laura Wojciechowski und Malte Peters

Zum zweiten Mal wurde im altehrwürdigen Kloster Loccum am Sonntag, 10. März, der Jugendandachtspreis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers verliehen. Das Thema, ein Bibelvers, war zuvor über eine Abstimmung bei Instagram ermittelt worden: „Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ (2. Korinther 3,17). Den mit 1.000 Euro dotierten ersten Platz belegte Philo Hirte (17) aus Hannover. Die Andacht von Malte Peters (21) aus Geestland wurde von der Jury mit einem Sonderpreis in der Kategorie „politische Predigt“ ausgezeichnet, der mit 100 Euro prämiert ist. Laura Wojciechowski (19) aus Hagen erhielt einen Sonderpreis für ihre Andachtsgestaltung.

Superintendent Albrecht Preisler (links) mit den beiden Preisträgern.

Rund 300 Gäste waren zu dem Festakt in das mehr als 850 Jahre alte Gotteshaus gekommen, bei dem vor allem die Worte wärmen mussten – die Heizung war an dem Tag ausgefallen. Der feierlich-fröhlichen Stimmung tat dies keinen Abbruch. Dafür sorgte auch der musikalische Stargast des Abends: Philipp Poisel („Wo fängt dein Himmel an?“) spielte exklusiv für die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Angehörigen.

 Für Wettbewerbsorganisator Pastor Mathis Burfien ist der Andachtspreis ein wichtiger Teil der theologischen Nachwuchsförderung. Die Gewinnerin von 2016, Julia Schönbeck, studiert inzwischen Theologie. Waren es seinerzeit bei der Premiere noch 26 eingereichte Arbeiten, so hat sich die Zahl nun fast vervierfacht: Insgesamt 94 Andachten hat die Jury gesichtet. „Ich möchte gerne jungen Menschen Mut machen und sie darin unterstützen, eine eigene Sprache für ihren Glauben zu entwickeln“, sagt Pastor Burfien.

Malte Peters beschreibt, wie er an das Thema Freiheit herangegangen ist: „Ich bin als erstes auf die Suche nach einem Lied gegangen. Das war gar nicht so einfach. Ich finde, dass es ganz wichtig ist, Musik in einer Andacht zu haben, da man damit am besten seinen Gedanken Ausdruck verleihen kann.“ Die Suche nach einem Lied stand auch bei Laura Wojciechowski am Anfang: „Später bin ich dann auf eine Geschichte gestoßen, die in meinen Augen gut zum Thema passte. Irgendwann entstand daraus meine Andacht.“

Laut Jury-Mitglied Jochen Arnold, Direktor des Hildesheimer Zentrums für Gottesdienst und Kirchenmusik, zeigt die hohe Beteiligung, „dass wir mit dem Freiheitsbegriff offenbar einen Nerv getroffen haben – auch all jener, die auf der Suche sind“. Zugleich scheine die kirchliche Jugendarbeit „frommer“ zu werden; aktuelle Jugendstudien sprächen von einer „Generation Worship“. Junge Leute wollten die befreiende Botschaft der Bibel erfahren und teilen. „Damit öffnen sie auch für uns als Kirche neue Horizonte. Was sie sagen, ist relevant und glaubwürdig“, betonte Arnold.

Doch sind Andachten überhaupt noch wichtig und zeitgemäß für Jugendliche? Malte Peters: „Ich glaube, es ist heute sehr schwer, Jugendliche für kirchliche Dinge zu begeistern. Aber in Form einer kurzen, aussagekräftigen Andacht ist dies eher möglich. Viele können durch Andachten ausdrücken, was sie fühlen oder wie es im Inneren der Person aussieht.“ Auch Laura Wojciechowski sieht „eine gewisse Wichtigkeit“ von Andachten unter Jugendlichen. „Eine Andacht hat keine festen Strukturen wie ein Gottesdienst, sondern einen kreativen Spielraum, den man nutzen kann. Andachten werden auch häufig von Jugendlichen gehalten, die ihre Gedanken und Ansichten mit anderen Jugendlichen teilen möchten. Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Evangelischen Jugend Wesermünde gehören sie einfach dazu.“

„Mit jedem deiner Fehler lieb’ ich dich mehr“, sang Philipp Poisel in das kalte Kloster hinein. Die Kirche meinte er damit nicht. Im Gegenteil: Viele seiner Texte könnten auch gut in eine Andacht passen, wie nicht nur Veranstalter Mathis Burfien meinte. Auf dessen Frage, ob das Gebet in Philipp Poisels Leben eine Rolle spiele, sagte der Sänger: „Ja, auf jeden Fall.“

Text: Lothar Veit/Landeskirche Hannovers